• Wenn ich in meiner Klasse hoffnungsvoll frage, wer denn etwas oder jemanden kennt, also zum Beispiel Caspar David Friedrich oder Gottfried Benn, schaut die eine Hälfte mich ratlos an, die andere Hälfte verspottet mich. OK, ich habe verstanden und hau mir schon selbst auf die Finger, wenn ich mal wieder denke, man könnte vielleicht ein bisschen Weltwissen (Neologismus für Allgemeinbildung) mitbekommen haben. Aber manchmal hilft auch das nicht.

    Bei der Analyse von Gottfried Benns Gedicht "Kleine Aster" kam aus einer Ecke die Frage: "Was ist eine Aster?" Und aus der anderen Ecke die Antwort: "Ich glaube, das ist ein Vogel."

    Opfer der EvolutionIch habe jetzt merkwürdige Bilder im Kopf von vorbeifliegenden Astern, aber noch schlimmer von Leichen mit Vögeln zwischen den Zähnen. Dunkelhelllila Vögel? Sind wir hier am Amazonas?

    "Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.
    Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
    zwischen die Zähne geklemmt."


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  • Am Sonntag dürfen wir in NRW auch endlich wählen, man hält die Spannung ja kaum noch aus, und trotzdem scheinen viele immer noch nicht zu wissen, was sie denn nun wählen sollen. Heute fragte eine kecke Studierende aus der S2c die Schulleiterin und mich, was wir denn wählen würden. Über der Geschichte eines anderen Studierenden, was ihm der Wahl-o-mat empfohlen hatte, und der Frage, ob die Linke in den Landtag käme, blieb uns die Antwort erspart. Ich hätte auch gar nicht ehrlich antworten können.

    Ein ähnlich unentschlossenes Bild ergeben private Umfragen, diesmal scheint alles möglich, Linke wählen einen CDU-Direktkandidaten, grüne Stammwählerinnen bringen es nicht über sich, Silvia Löhrmann zu wählen, Hannelore Kraft ist auch nicht bei allen beliebt, Armin Laschet wird anscheinend immer beliebter. Irgendwie ist er ja auch mein Held, weil er mal einen großen Satz Klausuren verschludert hat. So geht Korrigieren doch viel schneller.

    Nochmal zur französischen Präsidentschaftswahl. Wie ein guter Freund und mein persönlicher Wahlberichterstatter sagte: "Il y en a marre des votes dits utiles. Alors votons pour ceux aux idées sympas et non aux professionels passe-partout!" (Wir haben das nützliche Wählen satt. Also lasst uns für die mit den sympathischen Ideen wählen und nicht für die glatten Profis.)

    Er hat das auch gemacht, aber ich persönlich finde an nützlichem Wählen nichts Schlechtes, schließlich entscheidet man, wer die nächsten Jahre regieren wird.

    Aber bei dem Spruch meines Freundes fällt mir ein sympathischer junger Kandidat ein, der gerade Abitur am WBK macht, wobei er vermutlich erfolgreicher sein wird als seine Partei bei der Landtagswahl.

    Kandidatencheck

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    PS: Der Rechtschreibfehler in Punkt 1 geht ganz sicher auf das Konto des WDR. Frechheit!


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  • Baals nette Seite ist der KatzenkopfSo ein wichtiges Thema kann man nicht einfach ad acta legen. Und es gibt ja noch ganz andere Kreaturen, zum Beispiel Baal, den man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gern in der Literatur eingesetzt hat. So kamen wir im letzten allerletzten Block mit der S6b vom "Gott der Stadt" über Baal auch noch zu den Werwölfen, Vampiren und Hexen. Ich verteidigte meine Wahl, lieber eine Hexe sein zu wollen und hatte das Gefühl, dass jemand in der kühlen Ecke durchaus der Meinung war, ich würde diese Wahl bereits ausleben. Allerdings hatte man allgemein doch ein eher negatives Hexenbild, na ja, ich hoffe, der Faust wird nochmal gelesen im Rahmen der Abiturvorbereitung, obwohl die Walpurgisnacht* es bestimmt nicht ins Abitur schafft. Schade eigentlich, denn mit gruseligen Kreaturen kennen sich die Studierenden aus. Jasmin wusste, dass Vampire heute nicht mehr zu einem Leben in der Dunkelheit verdammt sind, und die Männer hatten die größten Sympathien für Werwölfe. Was ich nicht wusste: Man mutiert nur einmal im Monat zum Werwolf, nämlich bei Vollmond. Das würde das Problem mit den Flöhen doch deutlich einschränken. Andererseits wäre es auch blöd, wenn ich bei Vollmond abends Unterricht hätte. Woraufhin Jens mich anstrahlte: "Jetzt wissen Sie, warum ich da immer gefehlt habe."

     

    * Allerdings beendet Faust den Tanz mit der jungen Hexe vorzeitig:

    Mephistopheles:

    (Zu Faust, der aus dem Tanz getreten ist.)

    Was lässest du das schöne Mädchen fahren,
    Das dir zum Tanz so lieblich sang?

    Faust:

    Ach! mitten im Gesange sprang
    Ein rotes Mäuschen ihr aus dem Munde.

    Mephistopheles:

    Das ist was Rechts! das nimmt man nicht genau;
    Genug, die Maus war doch nicht grau.
    Wer fragt darnach in einer Schäferstunde?


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  • Vor dem erst Block Französisch saßen heute Morgen Nilgün und Jeremy in der Klasse und unterhielten sich über Hexen, Vampire und Werwölfe, es ging wohl um Twilight. Ich weiß nicht, wie man auf solche Themen kommt, aber nun weiß ich, dass Jeremy lieber ein Werwolf als ein Vampir wäre, Nilgün dagegen findet Vampirsein cool, weil man dann unsterblich wäre. Das muss auch nicht zu immerwährender Einsamkeit führen, denn man kann ja seine Freunde und Verwandten beißen und sie damit auch zu Vampiren machen. Dass man sie sich damit auch zu Feinden für die Ewigkeit macht, hatte sie nicht bedacht.

    Dann stellte Nilgün mir die Frage, was ich wohl lieber wäre, Hexe, Vampir oder Werwolf. Für mich ist das ganz klar, ich wäre am liebsten eine Hexe. Nilgün fand das unverständlich, aber es ist doch ganz einfach.

    Ein Werwolf hat einen Pelz, und deshalb hat er sicher auch Flöhe. Ich hätte definitiv keine Lust auf das ständige Jucken.

    Vampir? Ich kann kein Blut sehen, damit fängt es schon mal an. Und dann könnte ich nicht mehr am Strand in der Sonne liegen, ohne zu Staub zu zerbröseln. Wer will schon den ganzen Tag in einem dunklen Sarg verbringen, so macht die Unsterblichkeit doch auch keinen Spaß.

    Außerdem sind beide gemein und aggressiv zu anderen, das will ich auch nicht. Hexen dagegen müssen ja nicht böse sein, das ist ihnen ganz freigestellt. Und wie man an der Walpurgisnacht in Goethes Faust sieht, können Hexen auch jung und hübsch sein und außerdem eine Menge Spaß haben. Ja, auf jeden Fall wäre ich lieber eine Hexe, wenn ich wählen müsste.

    Nilgün fand diese Geschichte mit den Hexen und dem Teufel beim Tanz auf dem Blocksberg übrigens cool. Die gute Nachricht ist, dass sie das Buch nächstes Semester in Deutsch behandeln wird.


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  • Früher war alles besser, da musste man für Deutschklausuren noch nicht lernen. Oder nur ein bisschen. Heute dagegen kann man tagelang dafür lernen. Oder nur ein bisschen.

    Es kommt immer auf den Standpunkt an, ob ein bisschen nun ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger ist. Ich versuche deshalb mal ein Erste-Hilfe-Kit zu basteln, um die schlimmsten Hirnblutungen zu stoppen und seelische Verletzungen zu verbinden. Aber mir ist wohl bewusst, dass viele Patienten sich in der Klausur die Pflaster einfach wieder abreißen oder direkt in ein geistiges Koma fallen.
    Habe nun ach, Lyrik, Faust, Kafka, Linguistik, Expressionismus, Romantik, Medienkritik und leider auch Rhetorik durchaus studiert mit heißem Bemühn, da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.

    FAQ 1

    Genau, das fängt an mit dem Einleitungssatz, den man schlicht nach Rezept backen kann (und sollte!) oder immer wieder neu zusammenquirlen kann. Circa 60 % entscheiden sich für die zweite Lösung, den anderen sei nochmal das Grundrezept empfohlen.

    Das Gedicht "Weltende" von Jakob van Hoddis aus dem Jahr 1911 beschreibt ....

    Nicht: Das hier vorliegende Gedicht mit dem Titel "Weltende" wurde im Jahr 1911 von Jakob van Hoddis veröffentlicht und handelt von ... Und schlimmer geht immer.

    FAQ 2

    Wie ist das mit Leserlenkung, Strukturierung, aufgabenbezogener Überleitung?

    Ja bitte, aber Leserlenkung heißt nicht, dass man den Leser an den Haaren hinter sich her schleift. Am Dienstag kam jemand auf die glorreiche Idee, auch vor die Inhaltsangabe zu schreiben, dass man jetzt den Inhalt wiedergeben würde. Das ist echt too much. Wenn man jedoch meint, den Inhalt sinnvollerweise in einer Textgliederung wiedergeben zu können, kann man das kurz erwähnen.

    Man muss auch nicht immer "ich" schreiben, wenn man seine nächsten Schritte ankündigt. Beispiel: Im folgenden Vergleich der beiden Gedichte liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung von .... 

    Ab und zu mal einen Absatz lassen oder eine Leerzeile, wenn etwas Neues beginnt, kurz ankündigen, was man nun vorhat, evt. eine Verbindung zum Vorangegangenen schaffen, einen Sachzusammenhang herstellen, das erfüllt die Kriterien schon. Und man bekommt auch nicht jedesmal wieder Fleißpünktchen dafür, dass man es übertrieben oft macht. Hören Sie auf Ihr Stilgefühl und den gesunden Menschenverstand, sofern sie während einer Klausur darüber verfügen können.

    FAQ 3

    Ich hatte eine Erkenntnis, wie oft muss ich diese im Text wiederholen, damit mein Stern so richtig funkelt?

    Goethe würde sagen: Getretner Quark wird breit, nicht stark. Natürlich schreiben Sie keinen Quark. Hoffentlich. Aber ich will auch nicht über der dritten Wiederholung einschlafen. Punkte gibt es eh nur einmal. Nutzen Sie die Zeit, um einen Schreibplan zu erstellen, das spart erheblich Zeit bei der Ausführung!

     

    Weitere Fragen beantworte ich gern noch im Laufe des Wochenendes. Bitte sehen Sie sich die alten Abiturklausuren und deren Erwartungshorizonte an, dann wird schon deutlich, worauf es ankommt. Lesen Sie unbedingt die Aufgabenstellung gründlich durch.

    Zur Gedichtanalyse: Sie müssen auf jeden Fall eine Epochenzuordnung machen, werfen Sie dabei mit relevanten Schlüsselwörtern um sich. Wikipedia hilft, auch Ihr Buch und die Handouts. Hier finden Sie den Expressionismus in aller Kürze:

    Expressionismus

     


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