• Eigentlich hatten wir das Thema Sprachvarietäten in der S4b bereits abgeschlossen, aber die Zeitungsnachricht über die Rentnerin Marlies Krämer und ihren Rechtsstreit gegen die Sparkasse musste doch zum Thema Gendersprache noch gewürdigt werden.

    Gerade hatte der Bundesgerichtshof entschieden, sie habe kein Recht darauf, von der Sparkasse in Formularen als "Kundin" statt als "Kunde" angesprochen zu werden. In dem Zusammenhang konnte man einiges darüber lesen, dass Frau Krämer bereits in anderen Fällen auf sprachliche Ungleichbehandlung aufmerksam gemacht hatte.

    Das war auch bei einem der Herren in der Klasse angekommen, der sich darüber ausließ, dass diese Frau Krämer ja eine nervige Feministin sei, die sich andauernd darüber beschwerte, wenn Frauen in der Sprache diskriminiert würden.

    Wenn ihn das schon störte, wie wäre es dann erst, wenn Frauen womöglich auch noch gleiches Gehalt haben wollten, fragte ich ihn.

    Die Antwort kam prompt und folgerichtig, aber hoffentlich nicht ganz ernst gemeint: "Ja genau, wer soll das denn bezahlen?"

     


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  • Nicht dass ich schon Altersdepressionen hätte, die spare ich mir für nächste Woche auf. Aber manchmal wird man doch sehr unsanft daran erinnert, dass auch der geistige Verfall immer näher rückt.

    Gestern Abend in der 4b sprachen wir über den Einfluss anderer Sprachen auf das Deutsche, besonders über Anglizismen. Am Schluss teilte sich die Klasse in zwei Gruppen, um diese entweder zu verteidigen oder zu kritisieren.

    Aus der Gruppe der Puristen kam das Argument, dass es gerade für ältere Leute schwer sei, Anglizismen zu verstehen. Da setzte bei mir bereits die erste Stufe einer leichten Depression ein. Niederschmetternd war allerdings Annabelles Gegenargument: Das ist nicht so schlimm, die leben ohnehin nicht mehr so lange.


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  • Die Französischstunde in der S2k endete heute mit einem Liebesdrama, eventuell auch zwei. Im Hörtext über die Wohngemeinschaft in der Altstadt von Lyon sagt einer der Mitbewohner, als sein Kumpel ein Zimmer für ein "hübsches Mädchen" reservieren will: "Vergiss Nina!"

    Zum Glück war das am Schluss der Stunde, denn danach war die Klasse doch recht aufgewühlt. Leonie aber blieb ganz ruhig, blickte Daniela tief in die Augen und sagte: "Ich möchte dich küssen mit meinen samtig-weichen Lippen."

    In der Stunde ging es um Häuser und Wohnungen, Inneneinrichtung, eine Wohngemeinschaft, Adressen und einen Mietvertrag. Nichts Aufregendes eigentlich und schon gar nichts Erregendes. Aber die Erregung entsteht in dieser Klasse sowieso manchmal aus dem Nichts.


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  • In der Diskussion darüber, ob Lesen das Gefühl für Sprachrichtigkeit schärfe, versuchte ich ein anschauliches Beispiel für die Macht der optischen Gewöhnung zu bringen, denn man merkt m. E. aus dem Gefühl heraus, dass ein Wort falsch geschrieben ist, selbst wenn man nicht genau weiß, wo der Fehler liegt.

    "Wenn Sie eine rote Gurke sehen, fühlen Sie sofort, dass etwas damit nicht stimmt, auch wenn es die Form einer Gurke hat und riecht wie eine Gurke."

    J: "Das ist mein Penis."

    Ich denke, man sollte zum Arzt gehen, wenn der Penis wie eine Gurke riecht.

     


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  • Kafkas "Prozeß" entpuppt sich immer mehr als Pornographie, was meine Klasse weitgehend goutiert, haben sie jetzt doch auch neue Wörter wie "Promiskuität" gelernt und erstmals verstanden, dass Masochismus das zweite Ding in Sado-Maso ist.

    Da die Klasse ja immer schon vorrangig alle Texte nach der sexuellen Orientierung des lyrischen Ichs oder des Erzählers untersucht hat, ist sie nun in ihrem Element. Dabei springen auch immer wieder ein paar nette Sprüche heraus. Zum Beispiel bei der Frage nach der Rolle der Frauen bei Kafka. Sven: "Frauenrolle? Küchenrolle!"


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