• Eigentlich sind meine beiden Borkener Klassen ganz vernünftig, aber gestern war so ein Abend, an dem ich mich wie die Protagonistin eines surrealistischen Filmes fühlte. Es fing schon am Abend vorher damit an, dass ich mehrere panische Facebookanfragen nach dem Vokabeltest bekam. Was Vokabeltests angeht, ist die S2a ohnehin mit partieller Amnesie und periodischen Panikattacken geschlagen.

    Im 2. Block hatte ich zunächst aber das 4. Semester ARS und wollte mich zwecks Absicherung der Themen der Abschlussprüfung genauer mit London beschäftigen. Was wir auch taten, aber die Kommentare zu London und anderen Themen, die sich daraus ergaben, verschlugen mir die Sprache. Chris war der Meinung, London sei eine schrecklich langweilige Stadt, hatte er so im Gefühl, denn er war ja noch nicht dort. Und ob es da eine gute Diskothek gäbe? Ob überhaupt was los sei?
    Auf meine Bemerkung, London sei ein Zentrum von Kunst und Musik, bekam Pascal einen Lachflash. London und Musik? Was denn wohl? Die Beatles? Erneuter Lachflash. Ich bin immer noch ratlos.
    Habe ich bisher die kulturelle und mondäne Bedeutung von Gescher und Borken unterschätzt und in meiner Naivität geglaubt, London sei so eine Art Brutstätte des modernen Lifestyles?
    Nun gut, eine Aufgabe bestand darin, in Gruppenarbeit ein Besuchsprogramm mit Übernachtung zu erstellen. Maike war schon mal in London gewesen und wusste, dass es dort nichts zu essen gab, sie hatte sich die ganze Zeit von Snickers ernähren müssen. Steffi konnte das nicht nachvollziehen, weil es doch in London McDonals gäbe, und das sei das beste Essen schlechthin. Sie hat den Lebenstraum, alle Orte der Welt zu bereisen, in denen es McDonalds gibt.
    Bei der Hotelfrage bestand Maike auf einem möglichst schäbigen Motel, es gäbe nämlich nichts Besseres, als mitten in der Nacht nackt auf einem Rastplatz eine Zigarette zu rauchen und Cola zu trinken. Leonard konnte den Charme von nächtlichen Rastplätzen durchaus nachvollziehen.

     Im dritten Block hatte ich Französisch in der S2a. Daran nehmen auch Maike und Leonard teil, denen ich die Klasse aufschließen sollte. Das heißt, sie wussten, in welcher Klasse ich Unterricht machen wollte, nämlich in der gleichen wie seit letztem August.
    Als ich aber nach der Pause in die Klasse kam, war sie leer. Also nicht mal die beiden waren dort. Auch nicht Barbara und Peter, die nur zu Französisch kommen und immer sehr zuverlässig sind. Ich war in höchstem Maße irritiert und wartete eine ganze Weile auf meine Klasse. Dann bemerkte ich eine Kollegin auf dem Flur und fragte sie, so fand ich heraus, dass die Klasse auf die Schattenseite des Gebäudes umgezogen war.

     

    Und da saßen sie dann ganz leise hinter verschlossener Tür, machten unschuldige Gesichter und hatten nur vergessen, mir Bescheid zu sagen, nach mir zu suchen oder eine Nachricht an die Tafel zu schreiben. Irgendwie komisch, dass Maike, Leonard, Peter und Barbara von dem Umzug rechtzeitig vor Ende der Pause erfuhren, nicht aber ich. Offensichtlich war man da so gewissenhaft, dass man sogar aufs Rauchen verzichtete. Oder war es nur deshalb, weil der Rückweg am Lehrerzimmer vorbeigeführt hätte?
    Ich vermute, man wollte darauf warten, dass ich wieder gehe, und dann wäre man indigniert nach Hause gefahren, weil kein Unterricht stattfand.
    Lavi in innocentia manus meas.


    2 commentaires
  • Hello KittyZweimal ist noch keine Tradition, aber es fühlte sich schon ein bisschen so an, als wir in diesem Jahr wieder nach Nizza, Monaco und Italien reisten, damit die 2. Semester ihre Fremdsprachenkenntnisse vor Ort erproben und erweitern konnten. Diesmal war die Gruppe sehr groß, zu groß vielleicht. Aber zum Glück kamen alle heil hin und auch wieder zurück, trotz einiger Pannen. So hatte bereits am Flughafen in Düsseldorf jemand seinen Ausweis vergessen, was der BGS aber mit einem Ersatzausweis behob. Auch auf der Rückreise fehlte ein Ausweis, der leider mitsamt Geldbörse gestohlen worden war. Mit der Bescheinigung der Polizei in Nizza konnte aber auch diese Heimreise angetrten werden. Zwischendurch vertrödelten einige den Abflug, was dazu führte, dass die Kollegin Jäger zunächst nach vorn beordert und später namentlich verabschiedet wurde. Zum Glück waren die anderen Namen zu schwierig zum Ausrufen!
    Hello KittyAber natürlich bleiben letztlich doch die schönen Erlebnisse in Erinnerung, der blaue Himmel, das Meer, in das sich ein paar Mutige zum Baden wagten, Pizza und Baguette, Luxusyachten und teure Autos in Monaco, Geburtstagskuchen und das Ende der Hello Kitty-Ära.


    2 commentaires
  • Einige Methoden, die sich in letzter Zeit als unbrauchbar erwiesen haben

     Aktuell mit neuen Versuchsreihen!

    Pfuschen ist eine Waffe, die manche Studierende im verzweifelten Überlebenskampf an der Schule anwenden, wenn mal wieder keine Zeit zum Lernen war. Die Methoden und deren Ausführung müssen jedoch klug geplant werden, denn sonst ist das Ergebnis noch katastrophaler als ohne Täuschungsversuch. Hier ein paar Tipps für die Praxis, was Sie besser nicht noch einmal versuchen sollten.

    Elektronische Hilfsmittel:
    Völlig ungeeignet, da Lehrer inzwischen den typischen Blick aufs Display kennen. Auch keck über der Oberfläche des Tisches genutzte Handys und elektronische Wörterbücher fallen auf, selbst wenn sie mit größter Selbstverständlichkeit und gut gespielter Unschuld genutzt werden. Fotos von Lehrbuchseiten erfordern außerdem extrem scharfe Augen. Und die Entschuldigung, man habe nur kurz der Freundin eine SMS schreiben wollen (während der Klausur!), geht bestenfalls in die Schulchronik der originellsten Ausreden ein. Übrigens ist beim Abitur bereits das Mitbringen eines Handys ein Täuschungsversuch.

    Aus gegebenem Anlass:
    iPhones sind natürlich denkbar praktisch bei Klausuren, man kann den Lernstoff vorher eintippen und abfotografieren oder Kursteilnehmer, die bereits abgegeben haben, ansimsen. iPhones haben ein augenfreundliches Display und sind damit angenehmer als alte Handys. Außerdem ist das Gerät schön flach und lässt sich hinter vorgehaltenem Arm oder unter Zettelbergen verstecken. Klappt aber trotzdem selten, eben wegen der typischen Augen- und Fingerbewegungen. Und Ausreden wie "Ich habe doch nur eine SMS geschickt." sind nicht mehr originell und außerdem kontraproduktiv. Denn genau das ist ein Täuschungsversuch, wenn zwei Drittel der Klasse bereits abgegeben haben.

    Zettel im Mäppchen:
    So alt, dass es wehtut. Vermutlich hat schon meine Oma so zu pfuschen versucht. Besonders auffällig, wenn man das Mäppchen oder Döschen zunächst sorgfältig in Position bringt.

    Zettel in der Kleidung:
    Besonders beliebte Kleidungsstücke für das Verstecken von Pfuschzetteln sind Ärmel, Kappen und Jacken bzw. Pullover, die locker über den Zettel fallen. Das ständige Zupfen an der Kleidung erregt aber die Aufmerksamkeit der Aufsicht und empfiehlt sich nicht. Die Kappe  ist als Versteck abzulehnen, weil sie Frauen benachteiligt. Übrigens kann der Zettel dort nicht mehr entsorgt werden, wenn man erwischt wird, und man macht sich auch noch zum Gespött der Klasse.

    Mobile Pfuschzettel:
    Kein schlechter Ansatz, wenn man sie zum Beispiel während eines Test genau unter dem Unterarm positioniert. Nachteil: Der Zettel muss richtig klein sein, sonst kann er dennoch gesehen werden. Und was kann dann schon darauf stehen, was nicht auch in das kleinste Hirn passen würde? Da empfindet man als Lehrer nur noch Mitleid.

    Körperbeschriftung:
    An sich nicht schlecht, denn welcher Lehrer lässt sich schon die nackte Haut zeigen? Deshalb ist die Methode aber ungeeignet für Handflächen und Unterarme, und bei versteckten Körperstellen könnte das Entkleiden während einer Klausur Aufmerksamkeit erregen. Wichtig: nach dem Test sofort auf die Toilette und die Beschriftung gründlich abwaschen.

    Beschriftete Gegenstände:
    Langsam auch schon alt sind eigene Kreationen von Etiketten auf Wasserflaschen.

    Der Tisch, dein Freund und Helfer
    Beim letzten Französisch-Test über Datumsangaben sollten offensichtlich die Tische über kleinere Gedächnislücken hinweg helfen. Zum einen lag in Sichtweite auf einem leeren Tisch ein Blatt mit einer sorgfältig ausgeschriebenen Datumsangabe, eine Besitzerin konnte nicht eindeutig zugeordnet werden, die in Frage kommenden Damen versicherten mir jedoch, dass es nur ein versehentlich vergessener Übungszettel war.
    Zum anderen hatte eine weitere Dame ihren Tisch mit Bleistift präpariert und wollte von mir vor dem Test nur noch kurz die Übersetzung von le jour de l'an wissen. Als ich ihr mitteilte, dass der Begriff nicht im Test vorkäme, radierte sie ihn umgehend und direkt vor meiner Nase wieder vom Tisch.
    Da beide Versuche schon vor Beginn des Tests vereitelt wurden, scheint auch die Methode "Tisch" nicht sonderlich hilfreich zu sein.

    Noch ein Tipp am Rande:
    Wenn man von anderen während oder nach einer Klausur z.B. beim Nachschreibtermin Antworten übernimmt, sollte man darauf achten, dass auch die Fragen gleich sind. Sind sie aber häufig nicht.

    Und besonders blöd ist auch, wenn man sich darauf verlässt, an einem ruhigen Ort ungestört nachschreiben zu können, aber doch unter Aufsicht ist. Manchen fällt dann kein einziges Wort mehr ein.


    6 commentaires
  • Raucherecke

    Raucherecke

     

     

     

     

     

     

     

     

    Es werden starke Bretter gebohrt. Eine "erheblich entwicklungsbedürftige Gebäudesituation" wird von einer Schule auf die andere übertragen, hört sich nach einer wirklich guten Idee an. Immerhin verbessert sich die Parkplatzsituation an der alten Langenbergschule, denn die Schüler der ASR haben noch keine Führerscheine. Andererseits wollen sie einen Schulhof, auf dem sie nicht überfahren werden können. Also wird es in Zukunft noch weniger Parkplätze geben und die Kinder müssen in den Pausen auf der trostlosen Asphaltfläche spielen. Auch das Rauchen auf dem Schulhof könnte für die Schüler (und Lehrer) des Berufskollegs ein Problem werden, Eltern mögen es manchmal nicht, wenn man ihre Kinder verbotenerweise auf dem Schulgelände mit Zigaretten in Berührung bringt.

    Das Zentralabitur ist eigentlich eine gute Idee wegen Vergleichbarkeit und so, aber WHO THE FUCK sucht die Lektüren aus? Marcel Reich-Ranicki?
    Sie wundern sich im dritten Semester über Iphigenie und A Streetcar Named Desire? Daran werden Sie noch nostalgisch zurückdenken, wenn Sie 2011 Tauben im Gras und Falling Man lesen.

    Direkt nach den Ferien bringt das neue Jahr noch eine Klausurphase. So müssen die ersten Semester in der ersten Woche die Klausur über Unité 2 schreiben, aber was wir danach gemacht haben, brauchen Sie für die Klausur nicht zu lernen. Für den Unterricht schon. Die dritten Semester schreiben in Französisch einen Test über die Körperteile, und die Nachschreiber mögen sich am 14.01.2011 um 9 Uhr in Raum 11 einfinden und Unité 9 geübt haben.
    Am Monatsende gibt es dann Zeugnisse, und am 31. Januar beginnt das neue Semester. Am 2. Februar fahren wir nach Nizza, hoffentlich haben wir auch so schönes Wetter wie im letzten Jahr.


    6 commentaires
  •  

    Bonn

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Manchmal kann man zwei Fächer auf angenehme Art verbinden, zum Beispiel Geschichte und Französisch, so geschehen am Dienstag bei einer Exkursion der S3c* nach Bonn, wo wir die Napoleon-Ausstellung in der Bundeskunsthalle sahen.

    RauchereckeRauchereckeRauchereckeLeider hatten wir es zunächst mit dem großen Philosophen Konfuzius zu tun, der bekanntlich sagte:"Der Weg ist das Ziel."   Unser Weg dehnte sich bereits im Bahnhof Wesel ziemlich in die Länge, da der Rhein-Express erhebliche Verspätung hatte. Die Verspätungen scheinen so sehr an der Tagesordnung zu sein, dass sich sogar McDonalds im Weseler Bahnhof niedergelassen hat, um die Reisenden mit Wärme, Speis und Trank zu laben.

    BonnIn Bonn angekommen nahmen wir sofort die U-Bahn zur Museumsmeile, obwohl Herr T. in der Passage unterm Bahnhof noch ein Maniküre-Studio entdeckte und kurz überlegte, sich die Fingernägel machen zu lassen. Die Aussicht auf etwa 1000 Fotos im Internet hielt ihn wohl davon ab. Sehr schade, das wäre die ultimative Werbung für unsere Schule und meinen Blog geworden.Raucherecke
    Die Ausstellung selbst fand ich äußerst interessant und informativ, auch hervorragend gegliedert. Sie wirkte zunächst nicht so groß, aber man betrat immer wieder neue Räume, die jeweils einen speziellen  Aspekt des Themas beleuchteten. Jeder fand so seine persönlichen Interessen und Schwerpunkte. Raucherecke
     BonnWährend einige Damen sich für die überdimensionalen Reiterbilder von Napoleon begeisterten und ihre Wohnzimmer damit schmücken würden, war ich kurz davor, vor einer Kopie des Steins von Rosetta niederzuknien. Daniel erkundigte sich, was man wohl auf Ebay für das Original bekäme. Hendrik darauf: "Lebenslänglich." Das muss natürlich in meine Sammlung witziger Sprüche.
    RauchereckeDie größte Ausdauer bei der Betrachtung der Exponate hatte übrigens Christian, während die Mädchen bereits in Aufbruchstimmung waren, weil sie entweder Hunger hatten oder noch Bonns Qualitäten als Shopping-Stadt erkunden wollten.
    Und so kam es, dass wir in der Innenstadt plötzlich alle Studierenden verloren an das Steakhaus Maredo bzw. die Galeria Kaufhof. Isabelle hatte bereits vorher der Idee einer vegetarischen Ernährung den Kampf angesagt und sich ein schönes Steak gewünscht. Funda hingegen wäre fast nach Köln gefahren, weil sie der Quantität und Qualität Bonner Geschäfte nicht traute. Zum Glück konnte Bonn sie dann doch überzeugen, was die vielen Tüten bewiesen, die sie mit nach Bocholt nahm.
     Anscheinend haben dann auch noch alle den Weihnachtsmarkt erkundet, wobei die Männer mehr die Glühweinstände testeten und die Frauen Wichtelgeschenke suchten.
     BonnBonnBonnAuch ich genoss mal wieder den Weihnachtsmarkt und direkt daneben die überraschende Ruhe im Bonner Münster mit seinem wunderschönen Innenhof. Und natürlich die Buchläden meines Vertrauens!

    Die Rückfahrt war noch abenteuerlicher als die Hinfahrt. Konfuzius hatte wieder zugeschlagen und unseren Weg um eine Stunde verlängert. Es fing ganz harmlos an mit fünf Minuten Verspätung in Bonn, die aber bis Köln locker auf 20 Minuten ausgedehnt werden konnten. Bis Wesel hatte sich die Verspätung dann so sehr verlängert, dass der Bocholter schon weg war und wir auf den letzten Zug warten mussten. Um nicht zu erfrieren, verbrachten wir die Zeit mal wieder bei McDonalds. Ob Konfuzius sich das so vorgestellt hatte?

    BonnBonnBonnZurück zum Bonner Bahnhof. Während wir auf Gleis 1 warteten, betrat ein Herr mit imposanter Stimmgewalt den Ort des Geschehens und zog die Aufmerksamkeit der Reisenden auf sich. Offensichtlich war er psychisch desequilibriert und betrunken, aber ein großer Freund der Eisenbahn. Er begann auch sofort, den Verkehr zu regeln und eigene Durchsagen zu verkünden. "Sehr geehrte Damen und Herren, wegen Schneeverwehungen auf Gleis 1 hat der Zug Verspätung." "Bitte drängeln Sie nicht beim Einsteigen, alle Reisenden werden mitgenommen." Tatsächlich stieg auch er in den Rhein-Express, und zwar in den gleichen Wagen wie wir. Da der Zug überfüllt war, konnten wir ihm auch nicht entfliehen und mussten so vieles erfahren, was wir nicht wissen wollten. Seine erste Sorge galt Daniel, dem er riet: "Rasier dich mal, oder hat der Weihnachtsmann Urlaub?" Allerdings trug der Herr mit der lauten Stimme selbst einen Vollbart, Daniel dagegen hat überhaupt keinen Bart. Später erfand er dann liebevolle Namen für die Mitreisenden und bezeichnete u.a. Sevilay als "Schattenmorelle" und Hendrik als "Blondie". (Eigentlich dachte ich, Daniel sei die Schattenmorelle gewesen, daher der Titel, aber ich habe es auch vermieden, den Redner allzu genau anzusehen.) Ein Lob übrigens unseren Männern, die sich tapfer vor die Mädchen gestellt haben.

    *Alle Personen auf den Fotos waren ausdrücklich einverstanden mit der Veröffentlichung.

     


    4 commentaires


    Suivre le flux RSS des articles de cette rubrique
    Suivre le flux RSS des commentaires de cette rubrique